Protokoll 4netzen vom 4.9.20: Konfliktbearbeitung in Teams und im öffentlichen Raum


Das Vernetzungstreffen für Nachhaltigkeitsinitiativen „4netzen“ am Freitag, 4. September 2020 um 18 Uhr hatte diesmal den Schwerpunkt „Konfliktbearbeitung in Teams und im öffentlichen Raum“

Wir haben die Bedeutung des Umgangs mit Konflikten für die Nachhaltigkeitsbewegung auf individueller und auf kollektiver Ebene betrachtet:

  • Wie können wir Konflikte in unseren Teams, Initiativen konstruktiv lösen, wenn es darum geht, beispielsweise mit unterschiedlichen Standpunkten, Erwartungen oder mangelnder Wertschätzung umzugehen? Wann ist es sinnvoll, sich Begleitung von außen zu holen?
  • Was passiert, wenn sich Konflikte im öffentlichen Raum abspielen? Wie kann politische Mediation aussehen?

Anzahl Teilnehmende: 20

Ablauf

19.00 Begrüßung & Einführung
19:10 Vorstellung & Diskussion: Mediation (KoKo e.V.)
19:30 Vorstellung & Diskussion: politische Mediation (Werkstatt für gewaltfreie Aktion)
20:00 Open Space
20:45 Abschlussrunde
21:00 Ende des Treffens

1. Mediation und Konfliktbearbeitung

Clarissa Langer und Peter Weisser von KoKo e.V. stellten vor, was Mediation ist und welche Angebote KoKo für ehrenamtliche Gruppen hat. (Aufklappen der Texte durch Klicken auf das + am rechten Rand)

Was ist Mediation?

Mediation ist ein Prozess, um Lösungen für Konflikte zu finden, die für alle passen und nachhaltig sind

Mediationen haben unterschiedliche Settings: 2 Personen bis zu großen Gruppen und politischer Mediation

Mediator*in hilft zu vermitteln und unterstützt im Prozess

Mediator*in hat die Verantwortung für den Prozess und die Gesprächsführung, aber nicht für den Inhalt! Mediant*innen sind für den Inhalt verantwortlich

Mediator*in ist zur Vertraulichkeit verpflichtet (gesetzlich geregelt), Konfliktparteien können vereinbaren mit wem sie reden möchten

Mediator*in ist all-parteilich: Für alle gleich da

Mediator*in darf keine rechtliche Beratung machen: z.B. darüber ob der Baum über der Grundstücksgrenze steht und weg muss

Unterschiedliche Arten von Vereinbarungen z.B. ‘Spielregeln’, Abmachungen, geschriebener Vertrag, Vereinbarung dazu, was passiert, wenn sich eine Partei nicht an die Vereinbarung hält

in der Regel ist Mediation eine bezahlte Dienstleistung, aber es gibt auch Möglichkeiten, dass für wenig Geld bzw. Spenden Mediation zu bekommen, z.B. bei KoKo e.V.

Wie läuft eine Mediation ab?

Verschiedene Phasen der Mediation: Kennenlernen, Schaffen von Grundregeln, Benennen des Konfliktthemas, welche Bedürfnisse etc. stecken hinter den Vorwürfen/dem Konflikt?; Lösungssuche → nicht linearer Ablauf, manchmal werden auch wieder Schritte zur vorherigen Phase gegangen

Eigenverantwortung und Freiwilligkeit der Konfliktparteien sind Grundvoraussetzungen für die Mediation

Abbruch der Mediation durch Medianten ist jederzeit möglich, in Ausnahmefällen auch durch den/die Mediator*in

Mediator*in unterstützt Kommunikation, versucht Verständnis zu generieren, hat verschiedene Werkzeuge

Was ist KoKo e.V.?

‘Konstruktive Konfliktbearbeitung’

Verein in Freiburg, besteht seit 2000, ca. 50 aktive Mitglieder

Mitglieder ‘KoKos’ bieten Mediation ehrenamtlich an für Menschen, die finanziell nicht so begünstigt sind (auf Spendenbasis)

Alle sind ausgebildete Mediator*innen aus verschiedenen Berufsbereichen: Einige Anwält*innen, aus sozialen, pflegerischen Berufen, beratender Bereich…

In der Regel ‘Co-Mediation’: Zwei Mediator*innen (oft ein Mann + eine Frau) hat sich insbesondere in Partnerschaftskonflikten als hilfreich erwiesen

Übungsfeld für angehende Mediator*innen, In der Co-Mediation ist immer eine erfahrene Person und in manchen Fällen eine, die neu ist und Erfahrungen sammelt

Erreichbar über Webseite https://www.koko-freiburg.de/ und Telefon: 0761 / 15 53 96 35

→ KoKo schaut ob der Fall KoKo geeignet ist (nicht geeignet sind Sucht, Gewalt und psychische Erkrankungen)
→ KoKo schaut ob finanzielle Einschränkungen gegeben sind, Voraussetzungen für KoKo e.V.: Mindestens eine Konfliktpartei kann sich Mediation nicht leisten

→Fall wird an die Mitglieder geschickt und zwei bekommen den Fall

Beim Haus des Engagements gibt es ab September einen Helpdesk, wo ein Erstgespräch kostenlos geführt werden kann

KoKo e.V arbeitet trotz Corona (online bzw. in entsprechend großen Räumen)

Wenn eine Konfliktpartei nicht bereit für eine Mediation ist, bietet KoKo e.V auch Konfliktberatung für eine Partei an

Mediator*innen mit verschiedenen Sprachkenntnissen: Spanisch, Französisch, Syrisch, Englisch

verschiedene Mediator*innen haben verschiedene Schwerpunkte z.B. interkulturelles, Familie,…

2. Politische Mediation

Christoph Besemer von der Werkstatt für Gewaltfreie Aktion gab einen Input zum Thema politische Mediation. (Aufklappen der Texte durch Klicken auf das + am rechten Rand)

Was ist die Werkstatt für Gewaltfreie Aktion?

seit 30 Jahre in Baden aktiv, unterstützt die Ökologie- und Friedensbewegung, heute Schwerpunkt Umwelt- und Klimabewegung, Nachhaltigkeit

Aktionstrainings, Materialien zu Gewaltfreiheit und konstruktiver Konfliktbearbeitung, Konsens-Moderation, Mediation, Seminare,…

Assoziationen zu „Politischer Mediation“

Stuttgart 21
Dietenbach
Corona
verhärtete Fronten
Medien
charismatische Mediator*innen
transformativ
leidenschaftliche Diskussionen
sachliche + emotionale Faktoren
Diskussion → Dialog
Hambacher Forst
Angela Merkel
Verstrickung sachliche + emotionale Faktoren

Fragen zu „Politischer Mediation“

  • Nach welchen Werten geht das?
  • In welchem Rahmen kann politische Mediation stattfinden?
  • Wer übernimmt die Rolle der Mediation?
  • Wer gehört alles an den Tisch?
  • Was wenn nicht alle an den Tisch wollen?
  • Wie mit Ohnmachtsgefühlen umgehen?
  • Wie funktioniert politische Konferenzen mediieren?

Wie funktioniert „Politische Mediation“?

  • Abgrenzung von Internationaler Mediation (Regierungsvertreter*innen untereinander) und innergesellschaftliche/politische Mediation (verschiedene Gruppen)

→ Bürger*innenbeteiligung ist nicht Mediation!

→ Stuttgart 21 Prozess war keine Mediation, sondern eine Schlichtung! Einbeziehung aller, offener Ausgang,… war nicht gegeben. Heiner Geißler hat am Ende die Lösung vorgeschlagen

  • Mediation: Konflikt ist schon da, Mediation ist Prozess zur Lösungsfindung, alle Seiten können ihre Interessen + Gefühle artikulieren, Versuch gemeinsam zu einer Lösung zu gelangen, die Lösung kommt nicht von Mediator*innen!
  • Politische Mediation braucht Bereitschaft, eigene Entscheidungsmacht zurückzustellen und mit allen beteiligten Parteien in einen Lösungsprozess zu gehen (Bereitschaft Machtposition aufzugeben)
  • Oft gibt es Bürgerinitiativen, die eigentlich keine Entscheidungsmacht haben, aber die Öffentlichkeit schaffen können. Durch Widerstand zum Dialog auf Augenhöhe gelangen.
  • Fachbezug des Mediators ist hilfreich, aber Inhalte kommen von den beteiligten Konfliktparteien und dazu eingeladene externe Expert*innen können eingeladen werden.
  • Volksentscheid: Abstimmung, aber keine gemeinsame Lösung!
  • Bürger*innenbeteiligung: Information + Einbindung von Bürger*innen, aber Entscheidung bleibt beim Entscheidungsträger (z.B. Stadt, Staat,…)
  • Bei politischer Mediation sitzt man zusammen und findet gemeinsam eine Lösung
  • vertraulicher Rahmen, genaue Absprachen, ob und was an die Medien geht

Beispiele für „Politische Mediation“

  1. Berlin: Senat wollte Bäume fällen, daraufhin Proteste der Bürger*innen. Polizeieinsätze… dann an einen Tisch gesetzt, sehr langwieriger Prozess mit allen möglichen Akteur*innen, auch Expert*innen: 6 Jahre. Am Ende: Bäume waren gar nicht das Problem für einbrechende Ufer, sondern andere Gründe – anderes Konzept erarbeitet, das statt 180 Mio. € nur 70 Mio. € gekostet hat.
  2. Weiden, Oberpfalz: Einkaufszentrum soll gebaut werden, wieder Bürger*inneninitiative dagegen. Stadt hat alle an den Tisch geholt. 1-Jähriger Prozess. Lösung war so gut, dass die Bürger*inneninititive die Suche nach einem neuen Investor unterstützt hat, nachdem der ursprünglich abgesprungen war.
  3. München: Gestaltung eines Platzes, nur 1 Wochenende, Lösung gefunden und umgesetzt
  4. Köln, Erweiterung Geflüchtetenunterkunft: Widerstand dagegen, nur die Betroffenen an einem Tisch, nicht alle anderen. Erarbeitung eines Konzepts z.B. soziale Betreuung

Kriterien für gelingende Konfliktlösung im öffentlichen Raum

  1. Alle relevanten Konfliktparteien dabei
  2. Vertreter*innen mit Mandat + Rückkopplung
  3. Rahmen gemeinsam ausgehandelt
  4. Alle Konfliktparteien sind Auftraggeber
  5. Wille zur Verhandlung + Lösung des Konflikts
  6. Externe, kompetente, all-parteiliche Leitung
  7. Abbau persönlicher Spannungen + Vertrauensaufbau
  8. Gemeinsame Erarbeitung der Lösung
  9. Ergebnisoffenheit
  10. Verbindlichkeit der Verhandlungsergebnisse
  11. Entscheidungen im Konsens
  12. Genügend Zeit

3. Open Space

Mediation in Teams

  • wann eignet sich Mediation? → vorher nachdenken: bin ich wirklich ergebnisoffen?
  • Fragen der Organisation: wie kann ich Bestand haben? Was passiert mit Leuten, die neu dazukommen? z.B. Regelungen treffen, die für Neue gelten

Politische Mediation

  • Erfolgsrate von politischer Mediation: Ergänzung: Es liegen keine Zahlen vor. Zu wenige Beispiele. Unklar, welche Verfahren den Kriterien einer politischen Mediation entsprechen.
  • Wer hat die Macht? Wer bezahlt den Prozess? → Budget für politische Mediation der Stadt
  • Ablauf/ Vorgespräche/ Einzelgespräche, gemeinsamer Lösungsweg
  • Gutachter*innen/ Fachberater*innen können einbezogen werden
  • Kultur einüben, der konstruktive, gemeinsame Praxis, Politik zu machen, zugrunde liegt
  • Konsens/Konsent Prinzip