Großes Interesse am Strohbausymposium


Am 27. November trafen sich rund 140 Bauentscheider, Baufachleute und Bauinteressierte online, um sich über das Bauen mit dem nachwachsenden Baustoff Stroh zu informieren. Das Haus des Engagements war als Unterstützer der Veranstaltung dabei.

Nach dem Grußwort von Freiburgs Baubürgermeister Prof. Dr. Martin Haag, berichteten Architekten und Zimmermeister in Fachvorträgen über ihre Erfahrungen mit der traditionellen und zugleich innovativen Bauweise und stellten aktuelle Bautechniken sowie große Bauprojekte der Gebäudeklassen 3, 4 und 5 in Deutschland und Europa vor. Neben einem dreigeschossigen Mehrzweckgebäude im Kloster Plankstetten, wurden zahlreiche strohgedämmte Schulen und andere öffentliche Bauten in Frankreich, Belgien, den Niederlanden und Großbritannien präsentiert,
Wohngruppenprojekte mit bis zu 40 Wohneinheiten sowie Europas höchste Strohbauprojekte in Frankreich mit acht und elf Geschossen.

Beim abendlichen Fachgespräch diskutierten Strohbau-Experten, welche Schritte notwendig seien, damit der Strohballenbau aus der Nische in den deutschen Baumarkt hineinkomme. Auf dem virtuellen Podium saßen der Strohbau-Architekt Dirk Scharmer, der Zimmermeister und Vorstandsmitglied von Zimmerei Grünspecht in Freiburg, Markus Wolf sowie Prof. Dr. Benjamin Krick, Geschäftsführer des Passivhaus Institutes in Darmstadt. Bei der Diskussion betonte Scharmer, dass es wichtig sei, die Bekanntheit der Bauweise im Markt zu steigern, Fachkräfte zu qualifizieren und die Gewohnheiten in der Baubranche zu durchbrechen.

Prof. Dr. Krick hob die Bedeutung der politischen Rahmenbedingungen hervor, die die Nutzung nachwachsender Baustoffe begünstigen sollten indem sie die „Graue Energie“ bei der ökobilanziellen Bewertung von Baustoffen einbezögen. Zimmermeister Markus Wolf ergänzte, dass es für die Verbreitung des Strohbaus wesentlich sei, den architektonischen Geschmack von Bauherrschaften zu berücksichtigen, die „kein Haus mit runden Ecken“ wollten. Viele wüssten nicht, dass Strohbau in sehr vielfältigen architektonischen Variationen realisierbar sei. Die Experten waren sich einig, dass man bei mehrgeschossigen Bauten der Gebäudeklassen vier und fünf nicht umhin käme, bautechnische Kompromisse in Bezug auf die ökologische Nachhaltigkeit einzugehen. Nur so sei es möglich, nicht nur – wie bisher überwiegend – Einfamilienhäuser strohgedämmt zu realisieren, sondern auch Mehrfamilienhäuser und öffentliche Gebäude mit ihren sehr hohen baurechtlichen
Anforderungen z.B. an den Brandschutz.

Dass das Thema „Klimaschonendes Bauen“ von großem Interesse ist, zeigte nicht nur die hohe Teilnehmerzahl sondern auch die starke Beteiligung der Gäste am Chatdiskurs.

Für zukünftige Anfragen von Interessierten wurde ein neues Strohbau-Forum eröffnet (https://bau-mit-stroh.de/strohbau-forum) sowie eine monatliche Strohbau-Sprechstunde an jedem ersten
Donnerstag im Monat eingerichtet. Der nächste Termin ist der 03. Dezember von 16.00h bis 17.00h. Der Link wird im Strohbau-Forum und auf www.facebook.com/bau.mit.stroh bekanntgegeben.

Fachpräsentationen des Symposiums sowie die Aufzeichnungen aller Vorträge stehen in Kürze unter https://bau-mit-stroh.de/publikationen zum Download bereit.

Das Symposium wurde veranstaltet im Rahmen des Interreg-Projekts UP STRAW von der Benediktinerabtei Plankstetten in Zusammenarbeit mit dem Fachverband Strohballenbau Deutschland e.V. und der Zimmerei Grünspecht eG, Freiburg.

„Dass der Strohbau inzwischen eine marktreife Bauweise ist, wissen in Deutschland immer noch wenige“, so Benedikt Kaesberg, Leiter des Interreg-Projektes UP STRAW in Deutschland. Das Projekt der EU zielt darauf ab, die Nutzung von Strohballen als Baustoff besonders bei innerstädtischen und öffentlichen Bauten zu fördern. Im Rahmen des Projekts entsteht derzeit der größte Strohbau Süddeutschlands im bayerischen Kloster Plankstetten, ein Mehrzweckbau, der als Sonderbau klassifiziert höchste Anforderungen z. B. in Bereichen Brandschutz und Statik erfüllt. Hier werden ein Kindergarten, 30 Gästezimmer und die Pfarrverwaltung beherbergt sein.

Das internationale Projektteam von UP STRAW hat breitgefächerte Grundlagen für die Bekanntmachung der Bauweise geschaffen. Dazu gehören neben der Errichtung von fünf Referenzgebäuden u. a. ein Häuserregister unter http://www.strawbuilding.eu/strawbale-houses-
europe, in dem rund 1200 strohgedämmte Gebäude in ganz Europa auf einer Landkarte gezeigt und beschrieben werden sowie ein Verzeichnis für deutsche Strohbaufachbetriebe unter https://bau-mit-stroh.de/ansprechpartner-vor-ort.

Seit 2006 ist Stroh ein bauaufsichtlich anerkannter Baustoff in Deutschland. Das fachgerechte Bauen mit Stroh hat der Fachverband Strohballenbau Deutschland (FASBA e.V.) in der Strohbaurichtlinie 2019 definiert. Wer sich als Baubetrieb im Bereich Strohbau fortbilden möchte, findet auf der Website des Projekts www.bau-mit-stroh.de Links zu Bildungsanbietern sowie zu einem Onlinekurs.

Als einführende Fachliteratur wurde im Oktober 2020 die Fachbroschüre „Strohgedämmte Gebäude“ von der Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe e.V. neu aufgelegt. Und der vom Passivhaus Darmstadt 2020 zertifizierte Wärmebrückenkatalog erleichtert Architekten die Planung von Strohballenhäusern im Passivhausstandard.