Coworker*in im Fokus: Pro Sinti und Roma e.V.

Obwohl viele Sinti*zze und Rom*nja Familien seit Generationen in Deutschland ansässig sind, gibt es noch immer soziale und strukturelle Herausforderungen: Diskriminierung, Vorurteile und teilweise Segregation – etwa bei Wohnraum oder Bildung – erschweren eine vollständige Gleichstellung. Pro Sinti und Roma e.V. setzt sich seit Jahren für die Rechte von Sinti*zze und Rom*nja ein. Was genau die Arbeit von Pro Sinti und Roma ausmacht, erfahrt ihr hier im Interview:

Bitte stellt euch und euren Verein kurz vor – was sind eure Ziele und an wen richtet ihr euch?

Die Beratung von Pro Sinti & Roma startete im Jahr 2015. Unter der Leitung von Kjemal Ahmed entwickelte sich das Netzwerk zu einem lebendigen Austausch- und Hilfsnetzwerk für deutsche und (post-)migrantische Sinti*zze und Rom*nja n Baden-Württemberg. Seit 2023 ist Pro Sinti & Roma ein eingetragener Verein und als soziale Beratungsstelle anerkannt. Wir haben Anlaufstellen in Freiburg, Lörrach, Pforzheim, Tübingen, Stuttgart, Heilbronn, Karlsruhe, Villingen-Schwenningen und im Landkreis Emmendingen. Unsere Angebote richten sich an Sinti*zze und Rom*nja, die Unterstützung bei Fragen rund um gesellschaftliche Teilhabe benötigen – etwa in den Bereichen Arbeit, Wohnen, Bildung, Gesundheit, Asyl und Migration oder bei Diskriminierungserfahrungen. Dabei spielt es keine Rolle, ob jemand erst seit Kurzem in Deutschland lebt oder schon viele Jahre hier zu Hause ist.
Darüber hinaus setzen wir uns für die Interessenvertretung der Sinti*zze und Rom*nja-Communities in Baden-Württemberg ein. Gemeinsam mit Politik, Verwaltung sowie sozialen und pädagogischen Einrichtungen arbeiten wir daran, Teilhabe zu verbessern und auf die anhaltende Diskriminierung von Sinti*zze und Rom*nja aufmerksam zu machen.

Gibt es Besonderheiten in eurer Arbeit in Freiburg?

Unsere Arbeit orientiert sich konsequent an den Bedarfen und Wünschen der Ratsuchenden. Im Raum Freiburg bieten wir community-basierte Beratung für Sinti*zze und Rom*nja mit Rassismuserfahrungen in einem vertrauensvollen Rahmen an. Ergänzt wird dieses Angebot durch eine bedarfsorientierte soziale Beratung sowie eine mobile Beratung für Menschen aus den Communities mit chronischen Erkrankungen oder Behinderungen. Während die community-basierte und die soziale Beratung landesweit in Baden-Württemberg angeboten werden, ist die mobile Beratung im Raum Freiburg, Emmendingen und Breisgau-Hochschwarzwald tätig.

Gibt es ein aktuelles Projekt oder eine Veranstaltung, an der ihr gerade arbeitet?

Aktuell planen wir für Oktober im Rahmen der Interkulturellen Wochen in Freiburg gemeinsam mit zwei lokalen Kooperationspartnern einen Workshop für Frauen. Im Mittelpunkt stehen Gesundheit, Bewegung und Tanz als verbindende Elemente.
Außerdem bereiten wir gemeinsam mit einem Kooperationspartner aus München eine Veranstaltung für Anfang 2027 vor, die sich mit der Verfolgung von Sinti*zze und Rom*nja im Nationalsozialismus beschäftigt. Grundlage ist ein Film im Anime-Format, der insbesondere junge Menschen sowie Schülerinnen und Schüler ansprechen und einen Zugang zur Geschichte ermöglichen soll.

Mit welchen Themen kommen Sinti*zze und Rom*nja zu euch?

Die Anliegen sind sehr vielfältig. Ratsuchende wenden sich mit Fragen zu Wohnen, Bildung, Arbeit, Aufenthalt, Unterstützung im Kontakt mit Behörden oder gesundheitlichen Themen an uns. Unser vielfältiges Team bringt unterschiedliche fachliche Kompetenzen mit, sodass wir viele Anliegen gemeinsam bearbeiten können. Wenn eine spezialisierte Unterstützung erforderlich ist, vermitteln wir an passende Fachberatungsstellen weiter.

Welche besonderen Herausforderungen seht ihr in eurer Arbeit? Wie haben sich diese in den letzten Jahren verändert?

Eine der größten Herausforderungen bleibt die anhaltende Diskriminierung und der tief verwurzelte Antiziganismus, mit dem viele Sinti*zze und Rom*nja im Alltag konfrontiert sind. Diese Erfahrungen erschweren den Zugang zu Bildung, Arbeit, Wohnraum oder Gesundheitsversorgung.

Gleichzeitig werden die Anliegen der Ratsuchenden immer komplexer. Viele Menschen benötigen Unterstützung in mehreren Lebensbereichen gleichzeitig. Deshalb sind eine enge Vernetzung mit anderen Fachstellen und eine ganzheitliche Beratung wichtiger denn je.

Welche neuen Möglichkeiten haben sich euch eröffnet, seitdem ihr Teil vom Haus des Engagements seid?

Das Haus des Engagements bietet uns vielfältige Möglichkeiten zur Vernetzung mit anderen Organisationen. Daraus entstehen wertvolle Kooperationen und Synergien. Der Austausch eröffnet neue Perspektiven und stärkt unsere Arbeit für die Communitys.

Wie kann man eure Arbeit unterstützen?

Wir freuen uns über Menschen, die sich ehrenamtlich engagieren möchten – zum Beispiel bei Veranstaltungen oder bei der Begleitung von Familien im Alltag. Ebenso helfen Spenden dabei, unsere Beratungs- und Unterstützungsangebote langfristig aufrechtzuerhalten und weiter auszubauen.

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