Dokumentation zu „Mehr werden?! Freiwillige gewinnen und halten – Good-Practice-Austausch“

17. Juni 2026 | Haus des Engagements Freiburg | 17 Teilnehmende

Wie gelingt es Vereinen und Initiativen, neue Freiwillige zu gewinnen und langfristig zu halten? Mit dieser Frage beschäftigten sich 17 Engagierte beim Good-Practice-Austausch „Mehr werden?! Freiwillige gewinnen und halten“ im Haus des Engagements. Die Veranstaltung war Teil der Good-Practice-Reihe im Rahmen des Klimaquartiers Zähringen und bot Raum für Erfahrungsaustausch, gegenseitiges Lernen und konkrete Ideen für die Praxis.

Bereits zu Beginn zeigte das Vernetzungskarussell, wie vielfältig die Engagementlandschaft in Freiburg ist. In kurzen Gesprächsrunden tauschten sich die Teilnehmenden über ihre eigenen Motivationen, gelungene Einstiege ins Ehrenamt und aktuelle Herausforderungen im Freiwilligenmanagement aus.

Im Mittelpunkt des Abends standen zwei Praxisbeispiele aus Freiburger Organisationen. Johannes Nussbächer von den Stadtpiraten Freiburg berichtete aus der Arbeit mit geflüchteten Kindern, Jugendlichen und Familien. Die Stadtpiraten erreichen mit ihren Angeboten wöchentlich rund 150 Menschen und werden dabei von etwa 70 Ehrenamtlichen unterstützt. Besonders erfolgreich bei der Gewinnung neuer Freiwilliger sind Mitmachportale, Hochschulveranstaltungen und persönliche Empfehlungen. Ein zentrales Learning der Stadtpiraten: Neue Engagierte sollten möglichst schnell in echte Begegnungen mit Menschen und in positive Beziehungserfahrungen kommen. Gleichzeitig braucht es Klarheit über gegenseitige Erwartungen. Gerade bei Tätigkeiten, die auf verlässlichen Beziehungen basieren, sei ein bewusstes Commitment und längerfristiges Dabeibleiben wichtiger als eine möglichst hohe Zahl an Freiwilligen.

Christian Grolms stellte anschließend die Arbeit der Greenpeace-Ortsgruppe Freiburg vor. Die Gruppe zählt derzeit rund 30 aktive Mitglieder unterschiedlichen Alters. Ein wichtiger Erfolgsfaktor ist hier die Kombination aus niedrigschwelligen Einstiegsmöglichkeiten und einer starken Gemeinschaft. Monatliche Kennenlernabende, regelmäßige Aktionen, feste Ansprechpartner*innen und soziale Aktivitäten außerhalb der eigentlichen Kampagnenarbeit fördern die langfristige Bindung. Gleichzeitig wird bewusst darauf geachtet, neue Menschen durch verständliche Sprache, transparente Strukturen und Möglichkeiten zum Ausprobieren verschiedener Aufgaben mitzunehmen.

Viele Gemeinsamkeiten wurden sichtbar. Beide Organisationen erleben eine hohe Fluktuation, insbesondere bei Studierenden. Gleichzeitig zeigt sich, dass Menschen heute häufig projektbezogener und flexibler engagiert sein möchten als früher. Statt langfristiger Verpflichtungen stehen oft konkrete Erfahrungen, persönliche Interessen oder auch Studienanforderungen im Vordergrund. Die Referenten waren sich einig: Diese Motivation sollte nicht bewertet, sondern als Ausgangspunkt genutzt werden.

In den Kleingruppen diskutierten die Teilnehmenden anschließend über Engagementmotive, erfolgreiche Formen der Freiwilligengewinnung und notwendige Unterstützungsstrukturen in Freiburg. Dabei wurden zahlreiche bestehende Angebote genannt – von der Mitmachbörse Freiburg, der Freiwilligenagentur bis hin zu lokalen Netzwerken, Stadtteilveranstaltungen und digitalen Kanälen wie WhatsApp-Gruppen oder nebenan.de. Gleichzeitig wurde der Wunsch nach mehr Vernetzung und Synergien zwischen Organisationen deutlich. Angeregt wurden gemeinsame Informationsstände, regelmäßige Austauschtreffen sowie stärkere Unterstützung durch städtische Netzwerke, um Ressourcen zu bündeln und Ehrenamtliche leichter an passende Einsatzorte zu vermitteln.

Als zentrales Fazit des Abends blieb die Erkenntnis: Freiwillige gewinnen und halten gelingt vor allem dort, wo Menschen sich willkommen fühlen, echte Wirkung erleben und verlässliche Beziehungen entstehen können. Neben guten Strukturen sind es vor allem persönliche Ansprache, Wertschätzung und Gemeinschaft, die Engagement langfristig tragen.

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