Protokoll 4netzen vom 4. Juni 2020: Digitale Plattformen zur Vernetzung


Am Montag, 4. Juni 2020 um 18 Uhr fand wieder das Vernetzungstreffen für Nachhaltigkeitsinitiativen „4netzen“ statt. Aufgrund der aktuellen Situation fand das Treffen erneut digital statt.

Wir haben uns wieder mit dem Thema Online-Zusammenarbeit befasst und euch zwei neue digitale Plattformen zur Förderung und Vernetzung von NGOs und Initiativen vorgestellt. Ihr konntet mit Referenten ins Gespräch kommen und euch austauschen, inwiefern bzw. unter welchen Umständen diese Plattformen für euch dienlich und zielführend sind.

Anzahl Teilnehmende: 27

Ablauf

18.00 Begrüßung & Einführung
18:10 Vorstellung & Diskussion: #freiburghältzusammen
18:30 Vorstellung & Diskussion: Agathe hilft
19:00 Open Space
19:45 Abschlussrunde
20:00 Ende des Treffens

1. #freiburghältzusammen

Das Stadtnetzwerk #fhz ist eine offene, transparente und lokale Plattform. Es geht um ein gelebtes Wir, Vernetzung in der Nachbarschaft, dem Stadtteil und Freiburg.

Entwicklung

Seit 2015 wird: in dem vom BMBF geförderten Forschungsprojekt „SoNaTe“ (Soziale Nachbarschaft und Technik) eine Soziale Plattform in einem interdisziplinären Konsortium mit Instituten der Universität Freiburg sowie Technik- und Praxispartnern entwickelt. Die Entwicklung dauert bis heute an und wird voraussichtlich im April 2021 abgeschlossen.

Seit Ende April 2020 wird es unter dem Titel #freiburghältzusammen der Stadtgesellschaft zur Verfügung gestellt.

Erste praktische Erfahrungen mit SoNaTe wurden im Stadtteil Landwasser seit Ende 2019 über das dortige Quartiersbüro gemacht. Als nächster Schritt sollte das Freiburger Zentrum für Engagement einbezogen werden.

Frühjahr 2020: Zu Anfang der Corona-Krise wurden im Auftrag von Oberbürgermeister Martin Horn, unter dem Titel #freiburghältzusammen über sechzig stadtweite und stadtteilorientierte Hilfen auf der städtischen Homepage zusammengeführt und lokale Kulturangebote präsentiert. Parallel dazu wurde zur Förderung der digitalen Kommunikation die SoNaTe- Plattform über das städtische Amt für Digitalisierung (DigIT) mit den SoNaTe-Akteuren und IT-Strategen aus Karlsruhe für das ganze Stadtgebiet weiterentwickelt und als Stadtnetzwerk #fhz frühzeitig betriebsfähig gemacht. Zumal es seit Herbst 2019 Bestandteil der Digitalisierungsstrategie der Stadt ist.

22. April 2020: #fhz ging online. Seitdem haben sich über 1.700 NutzerInnen registriert, auf der Karte sind ca. 200 Organisationen eingetragen.

Nutzung:

Landing Page: Stadtjubiläum-Look, Identifikation mit den Wahrzeichen der Stadt

Nachbarschaftshilfe, Karte und Gebote fragen und einstellen auch ohne Registrierung möglich

Login-Bereich:

  • Feed: neueste Meldungen; Posts von einem selbst und von anderen, v.a. die die geliked wurden und denen man folgt Unterhaltungen
  • wer ist sonst gerade aktiv?
  • aktuelle aktive Gruppen können z.B. sein: neue Beiträge, wer ist Mitglied, Veranstaltungen, Dateien hochladen, Galerie
    • es gibt offene und geschlossene (Anfrage stellen) Gruppen und Organisationen
    • Gruppen können ganz verschieden genutzt werden
  • Beiträge posten über Rubriken (z.B. Bildung, Kultur…); man kann Beiträge versch. Rubriken zuordnen→ darüber kann man ein größeres Publikum erreichen
  • Umgebung erkunden: auf einer Karte schauen, welche Institutionen in meiner Nähe aktiv sind → neue Einrichtungen kennenlernen

Vorteile im Vergleich zu anderen Plattformen:

  • Datenschutz
    • Die Daten der Nutzenden sind sicher, da die Daten nicht kommerziell ausgewertet werden
    • Die Chats sind verschlüsselt und so ist kein Einblick in private Kommunikation möglich
  • Keine kommerzielle Werbung
    • Alle Nutzenden dürfen zwar für ihre Produkte werben, aber es gibt keine Möglichkeit kommerzielle Werbung zu schalten
  • Niedrigschwelligkeit und Respekt
    • Das Stadtnetzwerk ist in Sprache und Bedienung niederschwellig angelegt
    • Eine Netikette sorgt für respektvollen Umgang

Weiterentwicklung:

  • Cryptopad: gemeinsame Bearbeitung eines Dokuments
  • braucht aktive Nutzer, die es nutzen → Nutzertests
  • Weiterentwicklung zu einer App ist in Aussicht

Rückfragen:

  • Registrierung und Support?
    • Postkartenfunktion gibt es aktuell nicht mehr; anderes Verifizierungssystem soll gefunden werden, da die Hürde wirklich zu groß ist und zu lange dauert. Aber es müssen natürlich echte Personen dahinterstehen. Es werden verschiedene Optionen geprüft.
    • aktuell sind alle die sich anmelden verifiziert
    • es gibt Mo. – Fr vormittags (9-13 Uhr) telefonischen Support und durchgehend einen Mail-Support: support.freiburg@sonate.jetzt
  • Woher stammen die Daten für die Karte? Gibt es ein Administration?
    • Open Street Map im Hintergrund: Gruppen die auftauchen werden vom Plattform-Management geprüft und beobachtet
    • es gab gemeinsamen Termin mit Stadtwandlern und Karte von Morgen um Daten zusammenzuführen; die Umsetzung ist derzeit noch im Forschungsprojekt-Status
    • Instanz-Management und Support prüfen, welche Gruppen das sind; um „hate speech“ etc. zu identifizieren
    • Möglichkeit, Gruppen zu melden; bisher erst 1x passiert, aber wenn das Netzwerk größer wird, ist das natürlich wichtig
  • Was sind die Voraussetzung für eine Registrierung?
    • Man muss in Freiburg leben, aber man kann von überall zugreifen
    • Nicht-Freiburger*innen sehen nicht den gleichen Umfang z.B. Geschäfte, Gruppen – wie durchlässig soll es sein?

2. Agathe hilft

Thomas Zimmermann, swapwork stellte die Lernplattform Agathe hilft vor. Diese hat das Ziel, die Arbeit gemeinnütziger Organisationen durch agiles Projektmanagement zu erleichtern und Erfahrungen von Initiativen, Vereinen sowie Stiftungen zu bündeln. Sie ist das Ergebnis des Forschungsprojekts Agile goes Nonprofit.

Was ist agiles Arbeiten?

Was ist Agathe hilft?

  • viele Organisationen suchen Unterstützung bei der Umsetzung von Projekten, v.a. wenn sie nicht viel Erfahrung im Projektmanagement haben
  • die Plattform vermittelt Botschafter*innen, die bei der agilen Umsetzung der eigenen Projekte helfen. Man kann diese über die Plattformen anschreiben und einen gemeinsamen Termin zur Unterstützung vereinbaren
  • es handelt sich um ehrenamtliche Hilfe von Leuten, die sich mit agilem Projektmanagement gut auskennen
  • außerdem gibt es auf der Plattform einige Online-Tutorials zu SCRUM, Agilität etc.
  • sowie auch das Tool „Projektsteckbrief“: Zielgruppen, Erfolgskriterien, Ansatz, Annahmen… → daraus wird eine Übersicht fürs Team erstellt
  • Auch eine alte Frau „Agathe“ kann es: sie ermutigt, das auszuprobieren
  • Aktuell 2 Projekte und 5 Botschafter*innen, also aktuell noch viel Luft
  • Idee eines Schneeballsystems: wer es mal genutzt hat, kann auch für andere als Botschafter*in bereitstehen

Rückfragen:

Was passiert mit den Daten im Projektsteckbrief?

  • Plan kann man erst erstellen, wenn man sich registriert, dann bekommt man WordPress Konto, darauf haben die Eigentümer der Plattform keinen Zugriff
  • Weitere Funktionen auf der Webseite (z.B. Quiz) sind ohne Registrierung möglich

Was versteht ihr unter agilem Wandel?

  • Ganzheitliche Betrachtung unseres Umgangs, wenn wir zusammenarbeiten. Wandel besteht darin, dass wir uns auf Augenhöhe begegnen; Menschenbild einer intrinsischen Motivation. Wenn ich als Führungskraft in einem Team glaube, dass meine Mitarbeitenden auf meine Anweisungen angewiesen sind, habe ich kein agiles Mindset. Eine agile Haltung ist, wenn ich glaube, dass Menschen selbst denken können.

Kannst du ein Beispiel nennen, wie die Unterstützung abläuft?

  • Zuletzt gab es ein Projekt, die eine Studie zu digitalem Lernen in kurzer Zeit umsetzen musste: die Botschafterin hilft der Projektleiterin, Wochenziele zu setzen. Die Botschafterin agiert als Coach, die sie nach ihrem Wochenziel fragt und nachhakt.

Kann „Agathe hilft“ zu einem selbstorganisierten Peer-to-Peer-Markplatz werden?

  • Wird als Agathe-hilft-2.0 so umgesetzt 🙂

Ich würde gerne ein Zukunftsprojekt initiieren: In Freiburg-Stadt Wohlfühl-Entspannungs-Inseln einzurichten z.B. um in der Mittagspause mal 30 Min. zu entspannen (z.B. Liegestühle, Springbrünnelchen, Pflanzen und Ruhezonen). Wie gehe ich das über Euch an?

  • Du kannst dafür auf Agathe-hilft eine Person aussuchen und ansprechen, dann kann die Person mithelfen, den Lösungsweg zu finden.
  • Diese Person ist dann aber kein Teammitglied und übernimmt keine Verantwortung, sondern agiert als Berater / Coach…

3. Open Space

Verknüpfung von innerem und äußerem Wandel

  • Anlaufstellen? Haus des Engagements, Eine Welt Forum Freiburg, Treffpunkt Freiburg
  • In welcher Form funktionieren sie zusammen, mit welcher Bedeutung? Wann gehe ich mit innerem Wandel nach außen?
  • Wieviel Nichtmitmachen bei Dingen z.B. ziviler Ungehorsam ist wichtig? Was ist der Beitrag des inneren Wandels? Sand im Getriebe sein sonst passiert nichts, aber friedlich das aktuelle System schütteln damit sich etwas ändert
  • Intensive Auseinandersetzung mit sich selbst und eigenen Mustern
  • Es macht Sinn, sich darüber auszutauschen, um den eigenen inneren Weg zu reflektierenPartizipation, Direkte DemokratieEmpowerment: die eigene Geschichte erzählen; nicht mundtot sein

#freiburghältzusammen

Wer hat schon Erfahrung mit #fhz?

Usability ist gut und übersichtlich – auch die Menge an Nutzer ist schon gut!

Für was würde man es nutzen wollen?

Für den Verein würde man es gerne nutzen, aber als Einzelperson (von Außerhalb) eher nicht.

Wie soll die Vernetzung mit den Bestehenden Plattformen stattfinden?

Es wäre gut mit Links oder Querverweisen die Inhalte zentral einzustellen, damit es auf verschiedenen Plattformen gleichzeitig publiziert wird.

Großer Wunsch die Vernetzung der Plattformen so zu gestalten, dass sie automatisiert übernommen werden können.

Die bestehenden Plattformen dürfen nicht ausgebootet werden, sondern deren Inhalte sollten über #fhz größere Reichweiten erhalten bzw. unterstützt werden.

Kulturforum hat ihr digitales Info- und Kommunikationsangebot selbst finanziert und mühevoll aufgebaut und muss (wegen fehlender Finanzierung) kommerziell betrieben werden. Für sie ist #fhz eine Konkurrenz und bedroht die Existenz einer über 14 Jahre aufgebauten Plattform.

Sind die Standorte dynamisch (zeigen wo ich bin) oder statisch?

Dynamisch würde als kritisch gesehen werden da man nicht möchte, dass der eigene Standort übermittelt wird.

Soll die Plattform auch für „Gäste aus anderen Städten“ zugänglich gemacht werden?

Hier läuft die Diskussion noch – auch mit den Tourismusverantwortlichen

Feedback zur Plattform:

Der Launch zu Corona war etwas verwirrend und hat dazu geführt, dass die Plattform als „nur kurzfristig verfügbar“ und nicht komplett wahrgenommen wurde. Es ist aber erfreulich, dass die Plattform langfristig betrieben werden soll und nachhaltig angelegt ist.

Weitere Hinweise: